Übers Tragen

Baby’s kommen in einer enormen Abhängigkeit zur Welt.

JEDER trägt im ersten Jahr sein Neugeborenes. Auch wenn es nur vom Auto ins Bettchen ist.

Das Tragen ist weit mehr als nur eine praktische Lösung. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, den Alltag mit Baby harmonisch zu gestalten. Es schenkt dem Kind Geborgenheit und tiefe Vertrautheit, während gleichzeitig seine natürliche Entwicklung sanft unterstützt und gefördert wird. Zugleich ermöglicht es, den Anforderungen des Alltags gerecht zu werden und auch den Geschwisterkindern die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie brauchen. So entsteht ein liebevolles Gleichgewicht, in dem sich alle gesehen und getragen fühlen.

Das Tragen von Baby’s ist so alt wie die Menschheit selbst.

Getragen zu werden ist für Babys ein natürlicher Instinkt. Früher war der Körper eines Erwachsenen der sicherste Ort: Das Baby war geschützt, warm und immer in der Nähe.

Deshalb weinen viele Babys, wenn sie hingelegt werden. Ihr Instinkt meldet Unsicherheit, und sie suchen die Nähe einer Bezugsperson. Ohne diese Nähe kann automatisch Stress entstehen.

Über viele Jahrtausende hinweg wurden Babys in allen Kulturen getragen. Der Kinderwagen ist eine relativ neue Erfindung und entspricht nicht dem ursprünglichen Bedürfnis des Kindes. Denn Nähe bedeutet für Babys Geborgenheit, stärkt die Bindung und unterstützt ihre Entwicklung.

Tragen reduziert Stress

Ein Baby ist nicht für unsere laute und hektische Welt gemacht. Im Laufe des Tages sammelt es viele Reize. Wird das Baby am Körper getragen, kann es diese Reize besser verarbeiten als wenn es alleine liegt. Beim Tragen baut es nämlich fortlaufend entstandenen Stress ab.

Das Baby findet leichter seine Balance und weint weniger. Neugeborene, die häufig getragen werden, sind oft ausgeglichener und ein entspanntes Baby schläft bekanntlich nachts besser und ruhiger.

Tragen bedeutet Nähe und genau diese Nähe tut den Babys und Eltern gut. Es unterstützt einen sanften Start ins Leben, stärkt die Entwicklung und erleichtert den Alltag.

Beim Tragen schüttet der Körper (der des Kindes und des Tragenden) Oxytocin aus, das sogenannte Liebeshormon.

…Vorteile beim Tragen…

…für dein Baby…

  • Sanfter Start ins Leben: Es ist warm, eng und vertraut- fast wie im Bauch
  • Starke Bindung: Nähe stärkt Vertrauen und hilft dir, dein Baby besser zu verstehen
  • Weniger Stress: Dein Baby entspannt schneller und weint seltener
  • Besserer Schlaf: Ein ruhiges Baby schläft leichter ein und schläft besser

…und die körperliche Entwicklung…

  • Stabile Körperfunktionen: Atmung, Kreislauf und Temperaturen bleiben im Gleichgewicht
  • Unterstützte Verdauung: Bewegung und Wärme helfen dem Bauch
  • Fördert die Motorik: Muskeln werden gestärkt, Bewegungen trainiert
  • Gesunde Haltung: Hüfte und Wirbelsäule entwickeln sich besser
  • Sinnesentwicklung: Dein Baby erlebt die Welt nah bei dir, sieht, hört und fühlt mehr

…für dich und euren Alltag…

  • Immer nah dabei: Dein Baby ist sicher und kann jederzeit schlafen
  • Mehr Freiheit: Deine Hände bleiben frei für Alltag und Geschwister
  • Flexibel unterwegs: Kein Stress mit Kinderwagen, Treppen oder engen Wegen
  • Mehr Sicherheit: Du erkennst die Bedürfnisse deines Babys schneller und reagierst leichter
  • Praktisch im Alltag: Stillen, Tragen und Abhalten lassen sich gut miteinander verbinden
  • Milchbildung: Wird durch die Bindung und das Oxytocin geförderet
  • Elternfitness: Trainiert Muskeln

Wenn dein Baby mehr sehen will…

Ich rate davon ab, ein Baby mit dem Gesicht nach vorne vor dem Bauch zu tragen.
In dieser Position ist es vielen Reizen gleichzeitig ausgesetzt, kann sich davor nicht abwenden und sich nicht schützen. Gleichzeitig wird keine entwicklungsgerechte Haltung unterstützt. Stattdessen entsteht ein hoher Druck auf die Hüfte, und die so wichtige, natürliche Anhock-Spreizhaltung kann nicht eingenommen werden.

Beim Tragen auf dem Rücken hast du mehr Bewegungsfreiheit, und dein Rücken sowie dein Beckenboden werden entlastet. Gleichzeitig kann dein Kind mehr von seiner Umgebung wahrnehmen und seine Tiefenwahrnehmung sowie das räumliche Sehen besser entwickeln.

Ich empfehle, so früh wie möglich mit dem Rückentragen zu beginnen, denn Rückentragen ist ab Geburt wunderbar möglich und unterstützt einen entspannten, natürlichen Tragealltag. Viele Eltern kommen da aber schnell an ihre Grenzen, da das Rückentragen etwas Übung und Routine erfordert. Genau hier kann eine Trageberatung besonders wertvoll sein: Sie vermittelt Sicherheit, zeigt die richtigen Handgriffe und hilft dabei, Schritt für Schritt mehr Vertrauen in den Umgang mit dem Rückentragen zu entwickeln.